16/10/09 - Am 16. Oktober hat in Bern das erste „Alumni“-Treffen ehemaliger und gegenwärtiger Schweizer EU-Korrespondenten und Korrespondentinnen stattgefunden.
Mit einem informellen Netzwerk soll diesen Europa-erfahrenen Schweizer Journalisten eine Plattform geboten werden, um sich gelegentlich mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Verwaltung über Europa-Themen auszutauschen.
An der Auftakt-Veranstaltung in der Residenz von Botschafter Michael Reiterer diskutierten die rund 25 Teilnehmenden mit dem früheren EU-Kommissar Franz Fischler und dem ehemaligen Staatssekretär im EDA, Franz von Däniken. Das Thema: Die Schweiz – gut vernetzt und doch allein. Stellt sich die Europafrage neu?
Durch die laufende Übernahme von EU-Recht erodiere die Eigenständigkeit der Schweiz, stellte von Däniken fest. Nur mit den Mitwirkungsrechten einer EU-Mitgliedschaft könne die Schweiz ihren politischen Handlungsspielraum bewahren um einem schleichenden Souveränitätsverlust entgegenzuwirken.
Fischler stellte in Frage, ob in einer globalisierten Welt die formelle Souveränität noch die gleiche Rolle wie früher spiele. Vielmehr komme es auf die Instrumente und Netzwerke an, mit denen Staaten auf ihr Umfeld Einfluss nehmen und ihre Interessen einbringen können. Nach dem Lissaboner Vertrag seien neue grosse integrationspolitische Schübe in der EU unwahrscheinlich. Das Urteil des deutschen Verfassungsgerichtes zur Rechtsverträglichkeit des EU-Reformvertrags mit dem deutschen Grundgesetz setze weiteren Kompetenzverlagerungen von der nationalen auf die supranationale Ebene enge Schranken. Diese Entwicklung, so Fischler, eröffne auch für die Schweiz neue europapolitische Perspektiven.